Orchideen tauchen | Orchideen richtig bewässern

by Visionz Harjes & Sperlich GbR

Was bedeutet "Orchideen tauchen"?

Wenn Sie denken, dass "Orchideen tauchen" eine Sportart wäre und bedeutet man würde unter Wasser nach Orchideen suchen liegen Sie leider falsch. Denn dabei handelt es sich nämlich um eine Art der Wässerung die häufig bei Orchideen, die sich im privaten Besitz befinden, angewendet wird. Man nennt diesen Vorgang auch Tauchbad.

Im Allgemeinen mögen Hängeblumen und Pflanzen mit einem hohem Wasserbedarf Tauchbäder. Im Prinzip stellt man die Orchidee, mit dem Topf, in einen Eimer, der mit Wasser befüllt ist. Allerdings muss man dabei wichtige Details beachten, damit nicht Mengen an Wasser auf die Pflanze einströmen, die von den Wurzeln gar nicht aufgenommen werden können. Auf die wichtigen Details und die korrekte Vorgehensweise beim Orchideen tauchen wird im folgenden Absatz eingegangen.

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Orchideen tauchen - So geht es richtig

Der beste Zeitpunkt zum Orchideen tauchen ist in den Morgenstunden. So hat die Orchidee dann über den Rest des Tages genug Zeit um abzutrocknen, bevor in den Abendstunden und in der Nacht die Temperaturen wieder sinken.

Orchideen tauchen - Vorbereitung

Bevor es ans Eingemachte geht müssen zunächst erstmal ein paar Vorbereitungen getroffen werden, die da lauten:

  • Die Plastikwanne oder den Eimer an einen Platz stellen, der Schutz vor der Sonne bietet
  • frisches, zimmerwarmes und kalkfreies Wasser einfüllen (also lieber Regenwasser als Leitungswasser)
  • ein Messbecher, eine Kanne oder ein großes Glas griffbereit haben
  • ein Küchentuch oder ein Handtuch bereitlegen
  • falls vorhanden ein Abtropfgitter oder etwas Ähnliches bereithalten, welches Sie nach dem Tauchen über die Plastikwanne oder den Eimer legen können damit das überschüssige Wasser besser abtropfen kann

Orchideen tauchen - Anleitung

Sobald diese Vorbereitungsschritte erfüllt sind geht es ans Orchideen tauchen, dafür sind eingetopfte und substratlose Orchideen gleichermaßen geeignet. So wird dabei vorgegangen:

  • Kulturtopf aus Übertopf nehmen
  • den Topf leicht schräg halten
  • langsam in das Wasser einsinken lassen
  • gleichzeitig von oben, mithilfe eines Bechers, einer Kanne oder etwas Ähnlichem, mit Wasser angießen
  • kurz vor dem Boden die Pflanze aufrecht hinstellen
  • die Orchidee für einige Zeit im Tauchbad stehen lassen
  • Topf herausheben und auf das Gitter zum Abtropfen stellen
  • Wasser mithilfe von Küchenpapier in den Blattachseln abtrocknen
  • erst wenn kein Wasser mehr abtropft, kann man die Orchidee zurück in ihren Umtopf stellen und anschließend zurück an ihren Platz

Wie lange genau man den Topf unter Wasser tauchen muss, lässt sich nur schwer sagen, die Wurzeln der Orchidee sollten nach dem Orchideen Tauchen aber in einem grünen Farbton erscheinen. Die Tauchdauer ist aber von der Standortumgebung der Pflanze abhängig. Es gilt, je feuchter und kühler die Umgebung ist, umso kürzer sollte die Tauchdauer sein und die Badpausen umso länger. In der Regel sagt man, dass der Tauchbad-Rhythmus circa ein bis zwei Wochen beträgt. Falls man die Orchidee noch zusätzlich gießt, sollte man länger als zwei Wochen warten.

Bei hängenden Orchideen ist das ganze ein klein wenig anders, nämlich werden hier die Wurzeln in das Tauchbad gehängt und nicht hineingestellt. Aber auch hier ist es wichtig, dass die Pflanze im Anschluss ausreichend Zeit hat um gut abtropfen zu können.

Wichtig ist es, dass Sie Neuankömmlinge separat tauchen, da diese ansonsten Krankheiten und Schädlinge auf andere Pflanzen übertragen könnten.

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Weitere Wässerungsarten

Selbstverständlich gibt es neben dem Orchideen Tauchbad auch noch weitere Wässerungsarten für Orchideen. Empfindliche Orchideen können durch falsches Vorgehen erkranken oder sogar im schlimmsten Fall absterben, daher wird im folgenden auf weitere Bewässerungsarten eingegangen.

Regen

Viele Orchideenarten sind in den tropischen Regenwäldern der Welt beheimatet. Aufgrund der Nähe zum Äquator ist das Wetter dort recht gut vorhersehbar. Dort regnet es einmal pro Tag, das kommt den Orchideen bei dem dortigen Klima sehr gelegen. Besonders Epiphyten, also Orchideen die auf anderen Pflanzen oder Bäumen wachsen, sind auf die natürlichen Wässerungsarten angewiesen. Neben dem Regen zählt dazu auch die hohe Luftfeuchtigkeit die rund um den Äquator herrscht. Allerdings stellen zu starke Regenschauer eine Herausforderung für Orchideen dar.

Andere Orchideenarten, die zum Beispiel im Himalaya oder in den Anden beheimatet sind, haben den Luxus vom täglichen Regen oder einer hohen Luftfeuchtigkeit nicht unbedingt. Orchideen können aber auch langanhaltende Trockenperioden überstehen, aufgrund ihrer Fähigkeit Wasser auch für längere Zeit zu speichern. Aus diesem Grund muss man sie auch nicht täglich wässern.

Dusche

Eine eher kräftige und kurze Dusche für Orchideen kommt der natürlichen Bewässerung, wie zum Beispiel durch Regen schon relativ nah. Idealerweise duscht man seine Orchideen in den heißen Sommermonaten, da sie so innerhalb weniger Stunden abtrocknen können.

Man sollte allerdings kein Leitungswasser dafür nutzen, welches sehr kalkhaltig ist. Die Wasserwerte kann man ganz einfach über die Internetseite des Wasserwerkes herausfinden. Außerdem muss man besonders darauf achten, dass das Wasser im Anschluss ohne Probleme abfließen kann damit sich, wie in der Natur auch, keine Staunässe bildet und dadurch Wurzelfäulnis entsteht.

Gießen

Das Gießen ist wohl die typischste Art der Bewässerung von Zimmerpflanzen. In der Regel sollten man Orchideen aber nur gießen, wenn diese ein dringendes Verlangen nach Wasser aufweisen und keine Zeit für ein Tauchbad ist. Durch einen einfachen Gewichtstest kann man überprüfen, ob Gießbedarf besteht oder nicht.

Hierfür nimmt man den Kulturtopf aus dem Übertopf heraus, fühlt sich die Pflanze leicht an, sollte man sie gießen. Falls es nicht eindeutig ist, sollte man besser nicht gießen, denn Orchideen sind durchaus in der Lage Trockenperioden zu überstehen, wohingegen zu viel Wasser für Wurzelfäulnis sorgt und die Orchidee damit stark schädigt.

Dementsprechend gilt beim Gießen, wie auch bei allen anderen Wässerungsarten für Orchideen, dass nach dem Vorgang im Untertopf kein Tropfen Wasser mehr sein sollte, um Staunässe zu vermeiden. Außerdem sollte man auch beim Gießen das kalkfreie Regenwasser auf Raumtemperatur dem Leitungswasser vorziehen.

Übertopf-Orchideen

Bei dieser Art der Bewässerung geht es darum das integrierte Wasserreservoir aufzufüllen, damit aufsteigende Feuchtigkeit entsteht, die bis zu den Blättern der Orchidee hochziehen kann. Je nach Temperatur und Lichtverhältnissen gießt man die Orchidee ganz normal. Das überschüssige Wasser wird aber nicht entfernt, sondern läuft in das integrierte Wasserreservoir. Allerdings besteht bei dieser Bewässerungsart die Gefahr, dass sich am Topfboden zu viel Wasser sammelt und es zur Wurzelfäulnis kommt.

Orchitop

Das Orchitop stellt hier einen Sonderfall dar. Zum einen handelt es sich bei einem Orchitop gar nicht um eine Art der Bewässerung, sondern um ein Gefäß in dem Orchideen kultiviert werden können. Zum anderen wird einem die Entscheidung über die Bewässerungsart quasi abgenommen.

Ein Orchitop besteht aus einer Wand mit Stäben, die so beschaffen ist, dass die Wurzeln mit ausreichend Licht und Luft versorgt werden. Ein Untersetzer gehört auch noch dazu, dieser ist gefüllt mit Blähton oder Seramis. Das einzige, was man für die Wasserversorgung nun erledigen muss, ist den Untersetzer immer wieder mit Wasser aufzufüllen. Die Füllung des Untersetzer, entweder Blähton oder Seramis, verhindert die Entstehung von Staunässe im Wurzelballen. Außerdem entsteht durch das verdunstende Wasser ein lokales und feuchtes Mikroklima, wie es auch im Regenwald typisch ist und eine positive Auswirkung auf die Orchideen hat.

Duschbad

Die meisten Orchideenzüchter nutzen diese Art der Bewässerung. Hierbei handelt es sich um ein Zusammenspiel von Tauchbad und Dusche. Die Pflanzen bewässert man in dem Fall hauptsächlich von oben. Die Wurzeln nehmen dann das Wasser aus den Wasseransammlungen, die sich am Boden bilden auf.

Ein großer Vorteil dieser Art der Bewässerung ist, dass die Orchideenblätter ebenfalls direkt Wasser aufnehmen können und somit die Versorgungswege deutlich kürzer sind. Des Weiteren entstaubt dieser Vorgang auch die Orchidee, dadurch öffnen sich die Poren der Pflanze und ermöglichen so eine bessere Sauerstoffaufnahme.

Bei einem Duschbad ist es wichtig darauf zu achten, dass zum einen auf der Brause wenig Wasserdruck ist und zum anderen sollte das Wasser kalkfrei sein, da sonst unschöne Flecke auf den Blättern der Orchidee entstehen. Außerdem ist es wichtig, dass die Orchidee nach dem Duschbad genug Zeit hat abzutropfen und abzutrocknen. Um das zu gewährleisten, sollte man diese Art der Bewässerung in den Morgenstunden anwenden.

Sprühen

Das Sprühen ist sowas wie ein kleiner Geheimtipp. Es ist nämlich die ideale Ergänzung zum Orchideen tauchen oder gießen. Man befüllt ganz einfach einen Handsprüher und bearbeitet damit die Ober- und Unterseite jedes Blattes. Außerdem kann man damit auch das Substrat einsprühen, wenn man mal wirklich keine Zeit hat. Auch für das Sprühen sollte man unbedingt kalkfreies Wasser auf Zimmertemperatur verwenden.

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Orchideen tauchen oder gießen - Was ist besser?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Doch allmählich scheint es, dass Experten eher zum Tauchen von Orchideen anstatt zum Gießen tendieren. Das liegt zum einen daran, dass die Wasseraufnahme durch das Orchideen Tauchen sehr ähnlich zu der in der Natur ist. Außerdem besteht beim Gießen die Gefahr einer Überwässerung, zum Beispiel durch zu häufiges gießen. Dabei sammelt sich dann Wasser am Boden des Orchideentopfes, welches die Wurzeln nicht mehr aufnehmen können. Das führt zu Staunässe und somit zur Wurzelfäulnis, die wiederum führt zum Absterben der Pflanze.

Allerdings bestehen auch beim Tauchen Risiken, die man nur durch eine richtige Vorgehensweise ausschließen kann. Ein solches Risiko ist zum Beispiel, dass sich durch das Tauchen Krankheiten und Schädlinge viel einfacher übertragen, sofern man nicht jedes Mal das Wasser wechselt. Des Weiteren beansprucht das Tauchen natürlich auch mehr Zeit als das Gießen aber hat dafür auch den Vorteil, dass durch die Verdunstung ein hoher Feuchtigkeitsgrad rund um die Pflanze entsteht, durch welchen sie profitiert. Außerdem ist es eher unwahrscheinlich, dass durch Tauchen Wurzelfäulnis entsteht, solange man die Orchideen lange genug abtropfen lässt und sich an einen gesunden Tauchzyklus hält.

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Unterschied Gärtnerei und Zuhause

In einer Gärtnerei hat man in der Regel ganz andere Möglichkeiten die Pflanzen zu bewässern als Zuhause. In Gärtnereien wird weder getaucht noch gegossen. Stattdessen werden die Orchideen mithilfe eines Gartenschlauches mit Brauseaufsatz durch ein sogenanntes Duschbad gewässert.

Hobbygärtner entscheiden sich normalerweise zwischen dem Tauchen und dem Gießen. Das ist meistens durch fehlende Kapazitäten bedingt und außerdem lohnt sich ein Duschbad für Orchideen eigentlich nur, wenn man viele davon besitzt und sie gleichzeitig bewässern will. Außerdem bietet eine Gärtnerei den Orchideen optimale und meist gleichbleibende Umgebungsbedingungen. Einen solchen Standard kann man Zuhause nur schwer erreichen.

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Fazit

Abschließend sollte nochmal gesagt werden, dass das Orchideen Tauchen wohl die beste und natürlichste Methode zur Bewässerung von Orchideen im privaten Besitz ist, solange man selbstverständlich darauf achtet die korrekte Vorgehensweise einzuhalten. Wenn es mal schnell gehen muss, weil man wenig Zeit hat, gibt es gute Alternativen zum Tauchbad, die man aber mit Bedacht anwenden sollte.

Außerdem ist es wichtig bei der Pflege von Orchideen nicht ausschließlich auf die, beim Kauf in zum Beispiel Gartenmärkten oder Bauhäusern beiliegende, Pflegeanleitung auf den Steckschildern zu hören. Die Pflege von Orchideen muss immer an ihre individuelle Umgebung angepasst und abgestimmt werden.


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